Wegbringen:
- Bei نّ und مّ ist eine Ghunnah (Nasalierung) von genau zwei Zählzeiten (Harakat) Pflicht.
- Der Klang entsteht ausschließlich im Nasengang (Khayshum), nicht im Mund.
- Die Regel gilt immer – egal ob in Wortmitte oder am Wortende, selbst beim Pausieren (Waqf).
- Anders als bei den Sakinah-Regeln (نْ / مْ) verändert sich die Ghunnah bei Mushaddad nie.
- Häufige Fehler: zu kurzes Halten, Resonanz im Mund oder zu frühes Lösen von Zunge/Lippen.
Jeder Buchstabe im Koran besitzt eine Präzision, die die volle Aufmerksamkeit des Rezitierenden erfordert. Eine der grundlegendsten und zugleich wirkungsvollsten Regeln im Tajweed ist die Behandlung des Mushaddad-Buchstabens – speziell das Noon (نّ) und das Meem (مّ).
Die Beherrschung dieser Regeln verwandelt ein mechanisches Lesen in echtes Tarteel und bringt die klangvolle Schönheit und den Rhythmus hervor, die den göttlichen Worten innewohnen. In diesem Leitfaden erklären wir die Bedeutung von Mushaddad, geben klare Beispiele und bieten praktische Tipps zur Perfektionierung deiner Nasalierung (Ghunnah).

Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Mushaddad-Buchstabe?
Das Wort Mushaddad (مُشَدَّد) stammt von der arabischen Wurzel sh-d-d, was „stärken“ oder „intensivieren“ bedeutet. Im Kontext des Tajweed ist ein Mushaddad-Buchstabe jeder Buchstabe, der eine Shaddah (ّ) trägt.
Die Anatomie einer Shaddah
Technisch gesehen repräsentiert ein Mushaddad-Buchstabe zwei identische Konsonanten, die miteinander verschmolzen sind:
1. Der erste Buchstabe ist Sakin (vokallos).
2. Der zweite Buchstabe ist Mutaharrik (vokalisiert).
Durch einen Prozess namens Idgham (Verschmelzung) werden sie als ein Buchstabe mit einer Shaddah darüber geschrieben. Während fast jeder arabische Buchstabe mushaddad sein kann, sind Noon und Meem einzigartig, da sie eine obligatorische Ghunnah auslösen.
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Die Kernregel: Obligatorische Ghunnah
Die Regel für Noon und Meem Mushaddad ist eindeutig: Wann immer diese beiden Buchstaben eine Shaddah tragen, ist eine volle Ghunnah obligatorisch (Wajib).
- Was ist Ghunnah? Es ist ein klangvoller Nasenlaut, der ausschließlich im Khayshum (Nasengang) erzeugt wird, nicht im Mund.
- Die Dauer: Die Ghunnah muss genau zwei Zählzeiten (zwei Harakah) lang gehalten werden, was in etwa der Zeit entspricht, die man braucht, um zweimal mit dem Finger zu tippen.
Die Position spielt keine Rolle
Diese Regel gilt unabhängig davon, wo der Buchstabe im Wort erscheint oder wie du rezitierst:
- In der Mitte eines Wortes: (z. B. إِنَّا, مُحَمَّدٌ) — Ghunnah ist erforderlich.
- Am Ende eines Wortes: (z. B. ثُمَّ, فِيهِنَّ) — Ghunnah ist auch dann erforderlich, wenn du beim Wort pausierst (Waqf).
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Beispiele für Noon Mushaddad (نّ)
Das Noon Mushaddad erscheint häufig in koranischen Pronomen und Partikeln zur Emphase (Hervorhebung).
Quranic Beispiele
- Beispiel 1:
إِنَّا أَعْطَيْنَاكَ (سورة الكوثر)
„Wahrlich, Wir haben dir die Fülle gegeben.“ (Surah: Al-Kawthar)
- Transliteration: Innā a‘taynāka
- Tajweed-Erklärung: Das Wort (Innā) beginnt mit einem Noon Mushaddad. Du musst den „N“-Laut mit Resonanz aus der Nase halten, bevor du zum Alif übergehst.
- Beispiel 2:
مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ (سورة الناس)
„…unter den Dschinn und den Menschen.“ (Surah: Al-An-Nas)
- Transliteration: …wal-nnās
- Tajweed-Erklärung: Das Wort (An-Nās) enthält ein Noon Mushaddad aufgrund der Verschmelzung des „Lam“. Halte das „N“ für zwei Zählzeiten mit einem klaren nasalen Klang.
- Beispiel 3:
وَأَنَّهُ هُوَ أَغْنَىٰ (سورة النجم)
„Und dass Er es ist, der reich macht…“ (Surah: An-Najm)
- Transliteration: Wa annahu huwa…
- Tajweed-Erklärung: In (Annahu) ist das Noon verdoppelt. Achte darauf, dass die Zunge am Artikulationspunkt fixiert bleibt, während der Klang durch die Nase fließt.
Beispiele für Meem Mushaddad (مّ)
Das Meem Mushaddad erfordert, dass die Lippen fest zusammengedrückt werden, während der Klang durch die Nase vibriert.
Quranic Beispiele
- Beispiel 1:
عَمَّ يَتَسَاءَلُونَ (سورة النبأ)
„Wonach fragen sie einander?“ (Surah: An-Naba)
- Transliteration: ‘Amma yatasa’alūn
- Tajweed-Erklärung: Ein sehr häufiges Beispiel. Das Meem in (‘Amma) muss gehalten werden. Ein häufiger Fehler ist es, es zu schnell wie ein normales „M“ zu lesen.
- Beispiel 2:
فَأَمَّا الْيَتِيمَ (سورة الضحى)
„Was nun die Waise angeht, so unterdrücke sie nicht.“ (Surah: Ad-Duha)
- Transliteration: Fa-amma l-yatīma
- Tajweed-Erklärung: Das Meem in (Amma) ist Mushaddad. Halte die Lippen geschlossen, während der „summende“ Klang durch die Nase schwingt.
- Beispiel 3:
حَمَّالَةَ الْحَطَبِ (سورة المسد)
„Und seine Frau, die Trägerin des Brennholzes.“ (Surah: Al-Masad)
- Transliteration: Hammālata l-hatab
- Tajweed-Erklärung: Das Wort (Hammālata) erfordert Konzentration. Die Verdoppelung des Meem ist die „Seele“ des Rhythmus dieses Wortes. Halte es für zwei Zählzeiten.
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Zusammenfassung: Noon und Meem Mushaddad
| Merkmal | Noon Mushaddad (نّ) | Meem Mushaddad (مّ) |
| Symbol | ن mit ّ | م mit ّ |
| Regel | Obligatorische Ghunnah | Obligatorische Ghunnah |
| Dauer | 2 Zählzeiten (Harakah) | 2 Zählzeiten (Harakah) |
| Ursprung des Klangs | Nasenhöhle (Khayshum) | Nasenhöhle (Khayshum) |
| Anwendung | Immer anwenden | Immer anwenden |
Noon/Meem Mushaddad vs. Sakinah-Regeln
Es ist für Anfänger völlig normal, Mushaddad-Buchstaben mit Noon/Meem Sakinah (vokallosen Buchstaben) zu verwechseln. Hier ist eine Kurzübersicht, um sie klar zu unterscheiden:
| Regel-Typ | Symbol | Primäre Anforderung |
| Noon/Meem Mushaddad | نّ / مّ | Immer eine Ghunnah von 2 Zählzeiten. |
| Meem Sakinah | مْ | Regel ändert sich je nach folgendem Buchstaben (Ikhfa, Idgham oder Izhar). |
| Noon Sakinah | نْ | Regel ändert sich je nach folgendem Buchstaben (Izhar, Idgham, Iqlab oder Ikhfa). |
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Häufige Rezitationsfehler, die du vermeiden solltest
1. Die „Abkürzung“: Die Ghunnah auf nur eine Zählzeit zu kürzen. Dies ist der häufigste Fehler bei Schülern.
2. Mund-Resonanz: Den Klang in der Kehle oder im Mund zu erzeugen, anstatt im Nasengang.
3. Zu frühes Lösen: Die Zunge (bei Noon) oder die Lippen (bei Meem) zu lösen, bevor die zwei Zählzeiten beendet sind.
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Lies auch: Ghunnah-Regeln Im Tajweed – Ein Vollständiger Leitfaden Mit Beispielen
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Fazit
Die Beherrschung der Regeln für Noon und Meem Mushaddad ist einer der lohnendsten Schritte für jeden Tajweed-Schüler. Diese Regeln sind universell und erscheinen auf fast jeder Seite des Korans. Indem du diesen beiden Buchstaben ihr Recht gibst – eine klangvolle Ghunnah von zwei Zählzeiten –, gehst du über das bloße Aussprechen von Worten hinaus und fängst die melodische Essenz des göttlichen Textes ein.
Denk daran, dass Tajweed eine mündliche Tradition ist; während das Verständnis der Theorie wichtig ist, liegt die „Seele“ der Regel in ihrer Anwendung. Beständigkeit ist dein bester Lehrer. Egal, ob du eine lange Sura oder einen kurzen Vers im Gebet rezitierst: Jedes نّ und مّ mit Präzision zu behandeln, stellt sicher, dass deine Rezitation so bleibt, wie sie vom Propheten ﷺ gelehrt wurde.
FAQs
1. Ändert sich die Ghunnah-Regel, wenn ich bei einem Mushaddad-Buchstaben stoppe (Waqf)?
Nein, die Regel bleibt gleich. Wenn ein Wort mit einem Noon Mushaddad (z. B. $فِيهِنَّ$) oder einem Meem Mushaddad (z. B. $ثُمَّ$) endet und du dort pausierst, musst du die Ghunnah trotzdem zwei Zählzeiten lang halten, bevor du ganz zum Stillstand kommst.
2. Gibt es einen Unterschied zwischen der Ghunnah von Noon und der von Meem?
Das Timing (zwei Zählzeiten) und die Quelle (Nasenhöhle) sind identisch. Der einzige Unterschied liegt im Artikulationspunkt:
Bei Noon wird der Klang gehalten, während die Zungenspitze den oberen Zahndamm berührt.
Bei Meem wird der Klang gehalten, während die Lippen sanft, aber fest geschlossen sind.
3. Warum haben manche andere Buchstaben eine Shaddah, aber keine Ghunnah?
Die Ghunnah ist eine inhärente Eigenschaft, die nur dem Noon und dem Meem eigen ist. Während Buchstaben wie Baa (بّ) oder Kaaf (كّ) verdoppelt (Mushaddad) werden können, werden sie mit Stärke und Betonung (Shiddah), aber ohne nasale Resonanz ausgesprochen.
4. Wie messe ich „zwei Zählzeiten“ (Harakah) genau?
Im Tajweed ist eine Zählzeit ein relatives Maß, das auf der Geschwindigkeit deiner Rezitation basiert. Eine praktische Methode ist die Zeit, die man benötigt, um einen Finger in mäßigem Tempo ein- oder auszuklappen. Konsistenz ist entscheidend; deine Zählzeiten sollten zum Gesamttempo deines Lesens passen.
5. Was passiert, wenn ich die Ghunnah bei einem Mushaddad-Buchstaben vergesse?
Das Auslassen der Ghunnah gilt als Lahm Khafi (ein versteckter oder kleiner Fehler). Obwohl es die wörtliche Bedeutung meist nicht so drastisch ändert wie ein grober Fehler, raubt es der Koran-Rezitation ihre Schönheit und technische Präzision.
6. Klingt die Ghunnah je nach Vokal (Fatha, Dammah, Kasra) unterschiedlich?
Der Klang der Ghunnah selbst – die nasale Resonanz – bleibt unabhängig vom Vokal gleich. Der Mund muss jedoch darauf vorbereitet sein, sofort nach Abschluss der zwei Zählzeiten in den jeweiligen Vokal überzugehen (Öffnen für Fatha, Lippen runden für Dammah oder Senken des Kiefers für Kasra).